8. Juni 2020

Weltweite Ausstrahlung

Jahrzehntelang wirkte einer der wichtigsten Ozon-Forscher der Welt in Arosa. Dank Paul Götz’ Lichtklimatischem Observatorium gewann die Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse über die gefährliche UV-Strahlung.
Weltweite Ausstrahlung

Jahrzehntelang wirkte einer der wichtigsten Ozon-Forscher der Welt in Arosa. Dank Paul Götz’ Lichtklimatischem Observatorium gewann die Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse über die gefährliche UV-Strahlung.

Paul Götz ist der Gründer des Lichtklimatischen Observatoriums. Die Gründung fällt in eine Zeit, als Kurorte wie Davos und Arosa tausende Gäste anlocken, die sich im Höhenklima eine Heilung ihrer Tuberkuloseerkrankung erhoffen. Götz soll wissenschaftlich belegen, dass das Aroser Klima gut für die Gesundheit ist. Für den Astrophysiker war zwar das irdische Klima Neuland, dennoch war für ihn von Anfang an klar: Das Hochgebirgsklima ist ein Strahlungsklima. Über den Strahlungshaushalt der Erde wusste die Wissenschaft damals aber noch wenig. Also beginnt Götz für ein bescheidenes Honorar mit den ersten Messungen der Sonnenstrahlung auf dem Dach des Sanatoriums Arosa, dem grössten Kurhaus auf dem Platz, das an der Stelle des heutigen Grandhotels stand. Paul Götz, verheiratet mit Margarete, lebt zurückgezogen in Arosa. Sein Leben gilt nur der Wissenschaft. Die Bevölkerung nimmt deshalb überhaupt nicht wahr, dass hier ein Forscher allmählich Weltkarriere macht. Sie beginnt so richtig, als er 1926 seine Messgeräte vom Sanatorium Arosa in seine Villa verlegt. Im gleichen Jahr erscheint sein erstes Buch «Das Strahlungsklima von Arosa», das international grosse Beachtung findet. Er stellt fest, dass im Herbst mehr ultraviolette Strahlung auf die Erde gelangt als im Frühjahr. Götz weiss, dass das mit der schwankenden Dicke der Ozonschicht zu tun hat. In den 1930er Jahren gehört Götz zu den besten Ozonforschern weltweit.

Ozonforscher Paul Götz
Autor
Martin Läubli
Zum Profil
Martin Läubli machte das Diplom in Geografie, Umweltlehre und Publizistik an der Universität Zürich. Seit 19 Jahren arbeitet er als Wissenschaftsredaktor beim "Tages-Anzeiger" mit dem Spezialgebiet Umwelt und Energie. Er beschäftigt sich auch mit der Wissensvermittlung und Museumspädagogik weiter. Sein Buch "Licht Luft Ozon" über Paul Götz und das Lichtklimatische Observatorium in Arosa ist 2019 im Berner Haupt Verlag erschienen.
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