10. Juni 2020

Made in Arosa

Martin Schmid konstruierte 1940 einen Motorschlitten. Spektakulär wie ein stomlinienförmiges Insekt, war der «Schneeteufel» nur durch einen Zufall der Geschichte nicht in Serienproduktion gegangen.
Made in Arosa

Martin Schmid konstruierte 1940 einen Motorschlitten. Spektakulär wie ein stomlinienförmiges Insekt, war der «Schneeteufel» nur durch einen Zufall der Geschichte nicht in Serienproduktion gegangen.

Schmid war ein geborener Tüftler. Er konstruierte in seiner Freizeit einen motorisierten Schlitten. Als Basis verwendete er erst einen Davoser Schlitten, dann einen Bob. So entstand der Prototyp. Im Heck war ein Zweizylindermotor mit 350 Kubikzentimetern auf einer Starrachse montiert. Er trieb via Kette die Räder an. Seinen «Schneeteufel» packte Schmid in eine rote Blechkarrosserie, deren Stromlinienform überraschend avantgardistisch ausfiel. Schmid konnte zwei Personen befördern oder Material transportieren. Am Ende der Bobrennen fuhr er jeweils mit einer roten Fahne durch den Eiskanal, um das Ende des Rennens zu signalisieren. Er versuchte seine Erfindung der Schweizer Armee zu verkaufen. Die Tests im Jungfraugebiet überzeugten die Armeeinspektoren. Sie wollen zwei «Schneeteufel» ein Jahr lang testen. Schmid hatte nicht das Geld für zwei Prototypen. Er verkaufte das Patent im Sommer 1942 an einen italienischen Feriengast, den Industriellen Colas aus Mailand. Colas plante, Motorschlitten in grosser Zahl für die italienische Armee zu produzieren. Kurz nach Beginn der Produktion wurde die Fabrik bombardiert. Der «Schneeteufel» blieb ein Unikat.

Genialer Tüftler: Martin Schmid mit zwei Passagieren in Maran
Autor
Peter Röthlisberger
Zum Profil
Er ist Mitbesitzer der Chefredaktion GmbH, Journalist und Historiker. Er gründete Blick am Abend und Blickamabend.ch und war rekordlange neun Jahre Chefredaktor im Blick-Newsroom, davor Inlandchef der Weltwoche und Programmleiter von TeleZüri. Er doziert an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich und moderiert gerne Podiumsdiskussionen.
Weitere Artikel des Autors

Ähnliche Beiträge

  • 9. Juni 2020

    Dezent prominent

    Für den grossen Auftritt gibt es bessere Orte: St. Moritz oder Gstaad. Wer aber als Weltberühmtheit seine Ruhe will, kann auf die Verschwiegenheit der Aroser zählen.
    Weiterlesen
    • Die Menschen
  • Ozonforscher Paul Götz
    Die Menschen
    8. Juni 2020

    Weltweite Ausstrahlung

    Jahrzehntelang wirkte einer der wichtigsten Ozon-Forscher der Welt in Arosa. Dank Paul Götz’ Lichtklimatischem Observatorium gewann die Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse über die gefährliche UV-Strahlung.
    Weiterlesen
    • Die Menschen
  • 7. Juni 2020

    Grosses Kino

    Hollywood könnte eine Bergwelt nicht besser inszenieren, als die Natur Arosa geschaffen hat. Kein Wunder also, ist Arosa seit fast hundert Jahren immer wieder eine beliebte Filmkulisse für Heimatfilme, Bollywood-Produktionen und Eishockey-Komödien.
    Weiterlesen
    • Die Kultur
  • 6. Juni 2020

    Arosa by Night

    Das Nachtleben im kleinen Bergdorf am Ende des Tales war schon immer ein Phänomen. Weltstars wie Josephine Baker und Lionel Hampton oder Hazy Osterwald brachten Glanz und Gloria nach Arosa. Ihr Erbe traten in der Neuzeit Rap-Grössen aus Deutschland und DJ-Götter aus Ibiza an.
    Weiterlesen
    • Die Kultur