29. Mai 2020

Der verhinderte Riesen-Stausee

Das gewaltige Projekt in der Isel wäre beinahe realisiert worden, hätten nicht die Wirtschaftslage und die Geologie geholfen.
Der verhinderte Riesen-Stausee

Das gewaltige Projekt in der Isel wäre beinahe realisiert worden, hätten nicht die Wirtschaftslage und die Geologie geholfen. Im Jahre 1964 wurde in Arosa über ein Thema rege diskutiert und gestritten, zum Teil sehr emotional: Die Stadt Chur, zusammen mit grossen Elektrounternehmen, wollte in der Isel einen riesigen Stausee für die Produktion von Strom bauen. Die vorgesehene Grösse war enorm: 31 Millionen Kubikmeter! Die Staumauer wäre etwa am gleichen Ort wie jetzt zu stehen gekommen, die Höhe des Sees wäre danach so angestiegen, dass die RhB-Linie hätte umgeleitet werden müssen. Der See hätte bis zu den kleinen Wasserfällen im Welschtobel gereicht. Die ganze Islawiese und der Islawald wären verschwunden.

Glücklicherweise kam es dann doch anders. Sehr bald stiegen die Zinsen für Obligationenanleihen in der Schweiz stark an. Darauf basierte aber die Finanzierung der Elektrizitätswerke. Das brachte das Aroser Projekt, welches ohnehin relativ teuren Strom produziert hätte, in Schwierigkeiten. Messungen bei der Bauvorbereitung zeigen zudem erschreckende Resultate für den Talkessel, welche den Verantwortlichen grosse Sorgen machten: Arosa rutscht drei Millimeter pro Jahr ab. Es bestand die Gefahr, dass diese Rutschung sich beschleunigen könnte mit der Gefahr von Schäden an der Aroser Bausubstanz. Schliesslich verzichteten die Initianten auf ihr Vorhaben.

Durfte bleiben, wie sie war: die Isel | © Arosa Tourismus
Autor
Martin Röthlisberger
Zum Profil
Martin (Tino) Röthlisberger fühte von 1967 bis 2007 eine Arztpraxis für Allgemeinmedizin in Arosa, die er von seinem Vater Dr. Fritz Röthlisberger übernommen hatte. Er forschte, publizierte und lehrte an Schweizer Univeristäten und organisiert seit 1977 den Aroser Hausärzte-Kongress. 2005 verlieh ihm die Universität Bern für seine Verdienste den Titel Dr. med. honoris causa. Röthlisberger war zudem je sieben Jahre Präsident der FDP Arosa und der FDP Graubünden.
Weitere Artikel des Autors

Ähnliche Beiträge

  • Polizist Schatz mit strengem Blick | © Heimatmuseum Arosa
    Die schrägen Geschichten
    28. Mai 2020

    Kein gefährliches Pflaster

    Unter der strengen Aufsicht der örtlichen Polizei benehmen sich die Aroser. Die wirklichen schlimmen Taten begehen die Unterländer: Sie unterschätzen die Talendlage.
    Weiterlesen
    • Die schrägen Geschichten
  • Arosana-Plakat mit einheimischem Model Ruth Kipper | © Privatarchiv Fritz Kipper
    Die schrägen Geschichten
    27. Mai 2020

    Der Duft von Arosa

    Hast Nostalgie einen Geruch? Ja, würden viele langjährige Arosa-Fans sagen. Sie riecht nach Bergamotte, sie riecht nach Arosana-Sonnencrème.
    Weiterlesen
    • Die schrägen Geschichten
  • 26. Mai 2020

    Goldrausch

    Arosa hat in seiner Geschichte überdurchschnittlich viele Spitzensportler hervorgebracht. Die Werbung der Skifahrer, Snowboarder und Hockeyaner für den Ort ist unbezahlbar.
    Weiterlesen
    • Der Sport
  • 25. Mai 2020

    Little Monaco

    Wo bis 1927 Bobs die steile Strasse hinunter donnerten, brettern heute Oldtimer die Strasse hinauf. Die Arosa ClassicCar zwischen Langwies und Arosa wurde in 15 Jahren zur grössten Sommerveranstaltung im Schanfigg.
    Weiterlesen
    • Der Sport